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Deutsche Wurst in Vietnam

von Tran Do Anh TuanZuletzt verändert: 24.09.2008 08:37

Von Deutschland nach Vietnam: Auslands-Vietnamesen bringen Knowhow mit Überall in Vietnam geht es den Menschen besser. Besonders in den Städten ist eine junge, geschäftstüchtige und kaufkräftige Mittelschicht entstanden. Das günstige Lohnniveau macht das Land attraktiv für die Wirtschaft. Vietnams Anstrengungen, die WTO-Standards zu erfüllen, tragen Früchte. Seit die Marktwirtschaft Fuß fasst, boom das Land. Besonders heimkehrende Auslands-Vietnamesen bringen viel Knowhow mit - und importieren auch so manche typisch deutsche Errungenschaft nach Fernost.

Döner Kebap im Café Goethe

Döner Kebap-Stand
Jeden Morgen dasselbe Ritual in Hanoi: Fahnenappell am Ho Chi Minh-Mausoleum. Die Verehrung von Onkel Ho ist nützlich für die Staatsräson. Doch auch in Hanoi erkennt man: Zu viel Ideologie schadet dem Land und schreckt Investoren ab. Deshalb bemüht sich die Partei in letzter Zeit besonders um Menschen, die sie früher verfolgte: die Flüchtlinge. Die Auslands-Vietnamesen. Solche wie Tran Minh Ngoc. Sechs Jahre lang hat er in Augsburg eine Weinkellerei geführt. Jetzt macht er den Hanoiern ein anderes Genussmittel schmackhaft: Döner Kebap. Ein Riesen-Erfolg. Der Name seiner mittlerweile 15 Ess-Stände könnte deutscher nicht sein: Café Goethe. Herrn Tran findet, Döner und Goethe passen hervorragend zueinander: „In Deutschland gibt’s überall Döner Kebap. Natürlich machen die Türken das. Aber Döner ist ein Teil der deutschen Kultur, Döner ist auch deutsche Esskultur.“ (Tran Minh Ngoc, Döner Kebap-Verkäufer)


Exotik für den Gaumen

An einem Imbiss im schicken VINCOM-Center, dem neuesten Einkaufs-Zentrum von Hanoi, findet sich ein weiteres Stück deutscher Esskultur - die deutsche Bratwurst: Wer in Hanoi oder Saigon Exotik für den Gaumen sucht, findet sie alle: Bockwurst, Leberkäse, und die Thüringer Rostbratwurst. Die Wurst am Stäbchen ist gar nicht mal teuer – umgerechnet knapp 50 Cent. So viel wie ein Schnellgericht von der Straße

Duc Viet Joint Venture Wurtsfabrik bei Hanoi
Ein paar Kilometer vor Hanoi werden die Würste gemacht. Wo vor wenigen Jahren noch ein Reisfeld war, erhebt sich heute ein deutsch-vietnamesisches Vorzeige-Unternehmen, die Duc Viet Joint Venture Gesellschaft. Der Chef, Herr Mai Huy Tan, hat in Halle studiert, allerdings nicht das Metzgern, sondern Mathematik. Er hat sich die Geschäftsidee einfallen lassen – zusammen mit einem Erfurter Freund – einem gelernten Fensterbauer. Von Würsten hatten beide keine Ahnung – und deshalb auch keine Angst davor, aus dem Nichts eine Wurstfabrik aufzubauen. Der Freund ging kurzerhand bei seinem Nachbarn, einem Fleischer, in die Lehre – ganze zwei Wochen lang. Das musste für die „Mission Vietnam“ genügen. Die beiden Kompagnons importierten, was sie brauchten: Das gesamte Knowhow kommt aus Deutschland. Die Gewürze, die Maschinen, die komplette Kühlhalle, einfach alles ist made in Germany. Und so produziert Herr Mai nun monatlich 2 Millionen Würste.

Wurst global

Sein Erfolgsrezept: global denken: „Eine kleine Wurst bedeutet auch Globalisierung. Weil wir deutsche Technologie haben, weil wir auch chinesische Schweinedärme importieren, und wir nutzen unser Schweinefleisch in Vietnam mit eigenen Arbeitskräften. Wir verkaufen überall in Vietnam und exportieren auch. Das ist Globalisierung von Wurst.“ (Mai Huy Tan, Wurstproduzent)
Quasi globalisiert hat sich auch der Thüringer Freund: Er selbst kümmert sich zwar weiterhin in Erfurt um die Beschaffung von Material und Ersatzteilen. Doch sein Sohn lebt mittlerweile in Hanoi und hat das Marketing der Firma übernommen.

Die Duc Viet Wurstfabrik ist beispielhaft für das aufsteigende private Unternehmertum in Vietnam. Auslands-Vietnamesen wie Wurstfabrikant Mai oder Döner-König Tran verbinden aus dem Westen mitgebrachtes Knowhow mit ihrer Sprach- und Ortskenntnis. Vor allem sie tragen das Wirtschaftswachstum, arbeiten effizienter, stellen sich schneller und flexibler auf den Markt ein. Nicht zuletzt deshalb will die vietnamesische Regierung den staatlichen Sektor konsequent weiter privatisieren. Von 5600 Staatsunternehmen sind derzeit noch 3000 übrig. Tendenz: fallend.
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